Interview mit Thomas Seifert

Kannst du bitte erzählen wie du Perspektivy gefunden hast, und wie du zu der Entscheidung gekommen bist nach Russland zu gehen und nicht in ein anderes Land?

Ich wollte ganz gerne nach Irland, um meinen Freiwilligendienst zu machen, und dann bin ich beim ICE in Dresden gewesen, und das hat sich ein bisschen verändert. Ich war also auch offen für andere Länder und sollte dann nach Italien gehen und habe dafür eine Zusage bekommen. Dann habe ich mich gefreut und angefangen Italienisch zu lernen und dann kam im Herbst eine Nachricht vom ICE, dass das nicht klappt mit Italien und ob ich nach Polen gehen könnte, nach Krakau. Da habe ich gedacht, gut, das kann ich mir gut vorstellen. Krakau kannte ich, eine sehr schöne Stadt. Ich hab mir also ein Polnisch-Lehrbuch gekauft und angefangen Polnisch zu lernen. Und dann war im Sommer die Vorbereitung, das war dann im Sommer 1999 beim ICE. Dort habe ich erfahren, dass in St. Petersburg ein Freiwilliger abgesprungen ist. Der hatte einen Studienplatz bekommen und wollte dann also nicht. Und dann war eine Stelle in Pawlowsk frei, damals waren ja die meisten Stellen in Pawlowsk. Ich fand die anderen Freiwilligen so nett, die nach Russland gehen wollten, und die fand ich auch netter als die Freiwilligen, die nach Polen gehen wollten. Ich habe mich einfach besser mit denen verstanden. Und dann habe ich gedacht, Russland kennst du ja überhaupt nicht, da hast du überhaupt keine Ahnung, dann gehst du doch nach Russland mit. Ich hab den Pater Rieth damals gefragt, ob ich noch nach Petersburg auf die Stelle wechseln kann und da waren sie am Ende ganz froh, weil sie unbedingt wollten, dass alle Freiwilligenstellen in Russland besetzt werden. Und dann habe ich praktisch 6 Wochen vor der Ausreise nochmal die Stellen gewechselt und bin dann so in Russland gelandet. Also das war alles andere als beabsichtigt, im Gegenteil, das war ein Sprung ins kalte Wasser.

Welche Vorstellungen zu Russland hattest du damals?

Ich hatte gar keine, ich hatte ja keine Vorbereitungszeit. Dadurch, dass das ja so kurz entschlossen war, hatte ich überhaupt keine Zeit mir darüber Gedanken zu machen. Ich hatte bis dahin so gut wie nichts zu tun mit Russland. Ich hatte auch kein Russisch in der Schule. Ich war damals schon ein Mitglied von Greenpeace Russland. Insofern hatte ich das Wissen um die Umweltprobleme in Russland.

Wahrscheinlich hattest du eine Vorstellung durch die Medien?

Ja, aber du guckst dir ja in den Medien an, was dich interessiert. Und wenn du keinen Bezug zu Russland hast, dann guckst du dir auch nicht an, was in den Medien über Russland berichtet wird. Natürlich kannte man die Bilder, im Winter ist es kalt, Roter Platz, Moskau und Basiliuskathedrale, Samowar. Also irgendwie diese Klischees, die man so hat. Auch als Ostdeutscher hatte man ja im Kindergarten und in der Schule mit dem Großen Bruder aus der Sowjetunion zu tun gehabt, aber trotzdem hatte ich nicht wirklich eine Vorstellung davon, was Russland ist. Ich hab mir auch damals einen Wasserkocher gekauft und dann ihn mit nach Russland genommen, weil ich nicht wusste ob ich mir in Russland einen kaufen konnte.

Wie war dein Freiwilligenjahr in Russland für dich? Welche Eindrücke hast du bekommen?

Das war schon alles sehr interessant. Es ist ja nicht nur Russland gewesen als ein völlig fremdes Land, eine fremde Kultur, eine fremde Sprache, von der ich erstmal überhaupt nichts verstanden habe, sondern es ist natürlich auch das Kinderheim gewesen. Und das Kinderheim in Pawlowsk war ja schon ein sehr, sehr bedrückender Ort, weil die Situation der Kinder da schon sehr schlimm war. Und das eine waren dann die Eindrücke auf der Arbeit, sich da zurecht zu finden, zu verstehen, was da passiert, was dort meine Aufgabe ist, was ich hier machen kann, und das andere war das Leben. Aber St. Petersburg war ja auch damals schon eine fantastische Stadt. Das war toll in so einer großen Stadt zu sein, Metro zu fahren, und mit den anderen Freiwilligen die Stadt zu entdecken. Insofern war das alles sehr spannend, aber es war auch sehr, sehr anstrengend. Also schon früh um halb 6 aufzustehen und mit der Elektritschka im Winter in der Dunkelheit nach Pawlowsk zu fahren, das sind ja alles neue Eindrücke. Diese Dunkelheit, diese Kälte, der Geruch im Heim, das war schon eine sehr anstrengende Zeit.

Wie lange hast du gebraucht, bis du dich als Freiwilliger eingelebt hast?

Auf der Arbeit ging das ziemlich schnell. Wir waren ein gutes Team und wir sind auch sehr gut betreut worden. Damals am Anfang war noch Dominik da, Ilona und Marina Manewskaja. Wir haben auf der Arbeit ziemlich schnell gelernt, dass wir ganz schön viel machen können. Es war ja niemand anders außer uns da. Also außer den Sanitarka. Wir hatten ziemlich schnell das Gefühl, dass wir gebraucht werden. Und das war toll, dieses Gefühl. Es war gleichzeitig auch eine große Verantwortung. Wenn du früh im Bett gelegen hast und der Wecker geklingelt hat, dann wärst du am liebsten im Bett geblieben. Aber dann hast du gedacht, wenn ich heute im Bett bleibe, dann bleiben alle Kinder in meiner Gruppe auch im Bett. Also bist du aufgestanden. Es war eine sehr starke Motivation. Ich hab zugegeben die ersten acht Wochen nur Butter und Brot gegessen, weil ich mir nichts anderes im Laden kaufen konnte. Da gab es ja noch diese „Otdelenie" und sich da ohne Russischkenntnisse was zukaufen war kaum möglich. Das hat schon noch eine Weile gedauert, aber das wichtigste sind ja immer die menschlichen Beziehungen. Und weil die menschlichen Beziehungen gut waren, dann hab ich mich auch schnell wohl gefühlt und mich an alles gewöhnt, weil wir ein gutes Team waren und weil wir gut betreut wurden.

Wie war das damals mit dem staatlichen Personal, den Sanitarkas? War das auch eine große Konfrontation?

Das hing auch wieder von der konkreten Sanitarka ab. Es gab Sanitarkas, mit denen es sehr schwierig war, weil die eigentlich nicht wollten, dass du da bist. Und es gab Sanitarkas, die sehr froh waren, dass du da bist. Und mit denen, die froh waren, war es sehr schön zu arbeiten. Mit denen, die nicht froh waren, dass du da bist, musste man sich irgendwie arrangieren. Das war manchmal schwierig. Es war natürlich nur deswegen schwierig, weil ich ja irgendwas für die Kinder wollte, ich wollte ja nichts für mich, es ging ja um die Kinder. Ich wollte, dass die Kinder was trinken können und die Sanitarka wollte das nicht, weil wenn die Kinder was trinken, dann pinkeln sie ein und dann musste sie das wieder neu machen. Ich hab natürlich auch erst im Laufe der Zeit verstanden, was die Gründe für das Verhalten der Sanitarkas ist, und dass sie dieses Verhalten haben, nicht weil sie böse Menschen sind sondern weil es in ihrer Welt auch Sinn macht, so zu sein. Wir waren ja auch nicht die ersten Freiwilligen, also wussten wir schon von unseren Vorgängern, dass es diese Auseinandersetzung mit den Sanitarka gab und warum es die gab.

Wo hast du die Kraft und Unterstützung bekommen um jeden Tag diese schwere Arbeit zu machen?

Es war chon so eine innere Motivation, die, glaub ich, jeder Freiwillige gehabt hat, der dahin gekommen ist. Das waren, denke ich, alles Menschen, die eine starke innere Motivation hatten. Ich hab auch schon eine tolle Familie in Deutschland, denen ich das natürlich auch alles erzählt habe und die mich unterstützt haben. Und dann haben wir Freiwilligen uns untereinander auch sehr gut unterstützt. Wir haben uns echt gut verstanden, und man hat halt diese Entscheidung getroffen; jetzt dieses eine Jahr zu machen. Es war ja auch klar, dass es nur ein Jahr ist und wenn ich weiß, dass es in einem Jahr wieder vorbei ist, dann ist es was Anderes, als wenn es jetzt mein Leben lang gewesen wäre. Deswegen hab ich mich dann entschieden, ich mache das jetzt ein Jahr, dann mache ich das auch ein Jahr. Und dann hab ich nicht jeden Tag hinterfragt, ob ich jetzt weitermachen oder aufhören soll. Die Frage habe ich mir eigentlich nie gestellt.

Wie alt warst du in deinem ersten Freiwilligendienst?

1999 im November bin ich 20 geworden. Das war toll, da bin ich nach Tallinn gefahren. Ich bin abends vor meinem Geburtstag in den Zug gestiegen und am nächsten Morgen war ich in Tallinn. Meinen ganzen Geburtstag bin ich alleine durch Tallinn gelaufen und dann war ich abends noch in einem Pub und hab noch ein Konzert gehört. Dann bin ich spätabends wieder in den Zug gestiegen und am nächsten Tag war ich wieder in St. Petersburg. Ich bin in meine Wohnung in der Dostoyevskaya gegangen und da lagen lauter Luftballons, Kuchen und eine Nachricht von meinen anderen Freiwilligen auf dem Tisch, „Ahh das ist so gemein, dass du nicht da warst. Wir haben hier auf dich gewartet."

Wie war die Integration in Russland? Hast du auch abgesehen von der Organisation andere Russen getroffen?

Das war sehr sehr schwer. Also für mich war es sehr schwer, weil ich die russische Sprache nur sehr sehr schlecht konnte und es war schwer Russen außerhalb der Arbeit kennenzulernen. Es ist mir auch eigentlich nicht wirklich gelungen. Ich hab kaum Kontakt zu Russen außerhalb der Arbeit gehabt. Also ich hab natürlich andere Ausländer in St. Petersburg kennengelernt und mit denen hab ich auch was gemacht, aber russische Jugendliche kennenzulernen hat nicht geklappt. Und es ging den Anderen auch so, sie haben auch keine Freundschaften geschlossen. Es ging also nicht.

Hast du noch weiter Kontakt mit Freiwilligen von damals?

Ja, mit einigen habe ich noch Kontakt. Also zum Beispiel mit Margret. Wir haben uns in letzter Zeit besucht. Sie wohnt jetzt gar nicht so weit weg von mir. Mit Hannah und Susann hab ich auch Kontakt gehalten. Wobei man sagen muss, dass der Kontakt zwischendurch weg war. Aber in den letzten 3 bis 4 Jahren ist er wieder ein bisschen wieder gekommen und ich wollte eigentlich im letzten Jahr ausmachen, dass wir uns mal wieder treffen. Das hat ja dann Corona nicht möglich gemacht, aber wenn das dieses Jahr möglich ist, dann möchte ich auf jeden Fall die Leute einladen, mit denen ich damals in Petersburg war.
Was denkst du? Hast du etwas verändert in deinem Freiwilligenjahr? Also im Kinderheim zum Beispiel?

Ich hab mit einzelnen Kindern einige Erfolge gefeiert. Das kennt man ja, dann hat das eine Kind Essen mit dem Löffel gelernt und das andere Kind hat Sitzen oder Laufen gelernt. Das sind so kleine Veränderungen gewesen, so persönliche kleine Erfolgsgeschichten. Und ansonsten sehe ich mich da einfach als einen Teil von einem Team und einen Teil von einer Entwicklung, die in den letzten 20 bis 25 Jahren stattgefunden hat. Und von dieser Entwicklung bin ich ein Teil gewesen, so wie jeder andere auch.

Ganz oft sehen die Freiwilligen diese kleinen Schritte nicht. Hast du diese Veränderungen in deinem Freiwilligenjahr bemerkt, oder erst nachdem etwas Zeit vergangen ist? Waren diese kleinen Veränderungen auch eine Motivation für deine Arbeit?

Diese kleinen Veränderungen waren damals richtig große Feste. Das ist dann so gewesen, dass einer von uns Freiwilligen ins Spielzimmer gerannt gekommen ist und dann gesagt hat: „Sascha hat zum ersten Mal seinen Löffel selber gehalten!", oder: „Tanya ist zum ersten Mal zwei Schritte gelaufen!". Das sind ganz große Sachen für uns gewesen, über die wir uns alle gemeinsam gefreut haben. Die haben auf jeden Fall motiviert, aber gleichzeitig haben wir natürlich immer das Gefühl gehabt, dass es viel zu wenig ist und wir sind auch sehr oft sehr frustriert gewesen, dass sich nichts ändert. Vor allem an den größeren Dingen änderte sich nichts. Es sind nach wie vor fünfzehn Kinder, es gibt nach wie vor viel zu wenig Windeln, Kleidung und Menschen. Da hat man natürlich das Gefühl, dass sich nichts verändert. Außer das, was wir an einem einzelnen Menschen selber feststellen können.

Du arbeitest jetzt schon seit vielen Jahren mit Perspektivy zusammen und siehst auch die Veränderungen, die passieren, z. B. in Pawlowsk, aber auch woanders. Wie stehst du zu diesen Veränderungen und motivieren sie dich weiter?

Also ich sehe viele Veränderungen. Ich könnte jetzt auch viele einzelne Veränderungen aufzählen, aber ich muss sagen, dass es trotzdem beeindruckend ist, wie langsam das alles läuft. Es ist wirklich unglaublich langsam, wie die Schritte ablaufen. Aber das hat natürlich damit zu tun, dass das alles so miteinander verbunden ist. Die konkreten Verhältnisse in so einem Kinderheim ändern sich erst, wenn sich auch die Gesellschaft, der Staat und die Regierung und so weiter ändern. Konkret: Wenn sich die Vorstellung des Menschenbilds von Menschen mit Behinderungen und welchen Platz sie in der Gesellschaft haben ändert. Das sind ja sehr komplexe Entwicklungen und in Russland geht das halt sehr langsam im Vergleich zu anderen Orten. Ich kann es nicht ändern, aber ich finde, es haben sich schon viele Sachen verändert und viele auch zum Guten. Es geht zumindest den Kindern in Pawlowsk heute viel besser. Natürlich weiß ich nicht wie das in anderen Kinderheimen hinter dem Ural aussieht, aber ich glaube, dass es da immer noch nicht allzu schön aussieht. Deswegen sage ich, es geht alles sehr langsam.

Ja, das stimmt, aber du siehst ja auch diese kleinen Veränderungen.

Es sind ja nicht nur kleine Veränderungen, es sind auch große Veränderungen. Also, dass die Kinder in die Schule gehen zum Beispiel, oder dass es mehr Personal gibt, dass man die Idee hat, dass es wichtig ist, dass die Kinder in familienähnlichen Verhältnissen leben sollen und so weiter, das sind ja riesengroße Veränderungen. Man muss das mal so sehen: Damals ist es so gewesen, dass man der Meinung war, dass diese Kinder nichts wert sind, dass diese Kinder nur was zu essen, zu trinken und ein Bett brauchen. Sonst brauchen sie nichts, sie haben keine anderen Bedürfnisse. Der Wandel von so einem Denken hin zu einem Denken, dass diese Kinder eine Familie brauchen, das ist ja schon eine hundertachtzig Grad Wendung.

Bist du immer noch darüber informiert, was deine Schutzbefohlenen heute so machen?

Es gibt Kinder, Borja zum Beispiel, der in meiner Gruppe gewesen ist, oder Kostja Salamatin. Da verfolge ich natürlich, wo sie hingekommen sind. Und wenn ich in Russland bin, dann treffe ich sie natürlich auch immer. Mascha, die jetzt im Peterhof im Dezember gestorben ist, war auch in meiner Gruppe. Also es gibt auf jeden Fall ein paar Kinder, die inzwischen erwachsen sind, bei denen ich weiß, wo sie sind, dass sie noch leben und wie es ihnen geht.

Warum hast du dich entschieden, noch ein zweites Freiwilligenjahr zu machen? Bist da davor noch mal nach Deutschland gereist, oder warst du direkt zwei aufeinanderfolgende Jahre in Russland?

Als das erste Jahr zu Ende ging, hab ich überlegt, ob ich noch bleiben möchte. Das war im Wesentlichen die Überlegung, dass ich das Gefühl hatte, dass ich da was sinnvolles in Sankt Petersburg tun kann und dass ich auf der anderen Seite nicht wusste, was ich tun sollte, wenn ich nach Deutschland zurückkäme. Klar, ich könnte studieren. Aber ich hatte das Gefühl, dass es interessanter wäre zu bleiben, weil ich auf jeden Fall noch weiter helfen wollte. Es war ja auch die Zeit, in der die russische Organisation aufgebaut wurde, und da hab ich zuerst mit Margarete gesprochen. Die fand es gut, wenn ich bleibe. Dann habe ich mit dem ICE gesprochen und er war auch dazu bereit, dass ich an meinem Zivildienst noch ein freiwilliges soziales Jahr dranhängen kann und dann bin ich erst gar nicht zur Abschlussreflexion gefahren, sondern einfach gleich in Russland geblieben. So hab ich dann kein komplettes zweites Jahr gemacht, aber bis Juni war ich in Russland.

Hattest du so viel Motivation im zweiten, wie im ersten Jahr?

Motiviert war ich nach wie vor. Ich hatte dann natürlich eine neue Rolle. Da kam der neue Jahrgang von Freiwilligen und das waren damals richtig viele. Das waren fünfzehn Freiwillige, der größte oder zweitgrößte Jahrgang, der dann kam. Aber ich hatte damals ein bisschen Ärger mit meinem Kollegen, der mit in meine Wohnung gekommen ist, weil ich anders drauf war, als die neuen Freiwilligen. Was ja irgendwo auch klar ist, ich musste erst mal meine Rolle finden. Ich habe dann auch viel im Büro gearbeitet, hab dann in Pawlowsk meine Nachfolgerin eingearbeitet, auch mal im Peterhof gearbeitet, aber auch einen Jungen in einer Familie betreut, den ich einmal die Woche zu einer Therapie gefahren habe. Ich hab ganz verschiedene Sachen gemacht. Eigentlich war ich eher in allen Projekten als in einem. Dann habe ich noch einen großen Hilfstransport gemacht. Also ich hab parallel in Deutschland dreißig Tonnen Hilfsgüter gesammelt. Das waren Betten, Matratzen, Rollstühle, Waschmaschinen und Binden. Alles Mögliche. Dann sind wir mit zwei großen LKWs nach Russland gefahren. Das war dann im April bis Mai. Die haben wir dann alle im Peterhof abgeladen. Das war also noch eine große Sache, die ich nebenbei noch organisiert hatte.

Wie hast du das Ganze organisiert bekommen?

Ich hab das zusammen mit den Johannitern gemacht. Die sind ein Verein in Deutschland, die zum Beispiel auch den Krankentransport machen. Es gibt das Deutsche Rote Kreuz und die Malteser und die Johanniter. Die haben mich dabei unterstützt, indem sie auch Sachen in Deutschland gesammelt haben. Ich bin aber in den Jahren auch selber nach Deutschland geflogen und bin dann auch selber mit dem Lkw durch Deutschland gefahren und habe in Altenheimen, Krankenhäusern etc., wenn diese die Sachen nicht mehr brauchten, eingesammelt. Insofern war es ein sehr abwechslungsreiches Jahr.

Magst du auch erzählen, wie es war, nach zwei Jahren wieder zurück nach Deutschland zu kommen? Hast du lange gebraucht, um dich wieder einzuleben?

Ich muss sagen, nach den zwei Jahren war es dann auch gut so. Wenn ich nach einem Jahr zurückgegangen wäre, hätte ich mehr das Gefühl gehabt, dass ich eigentlich noch nicht in Deutschland sein wollte. Aber nach den zwei Jahren war ich auch erschöpft und es war dann auch gut, wieder in Deutschland zu sein. Ich habe mich dann auch gefreut. Ich habe dann angefangen Politikwissenschaft in Leipzig zu studieren und das hat dann auch Spaß gemacht. Ich hab dort ziemlich schnell einen jungen Mann getroffen, der auch Student war und auch gerade zwei Jahre im Ausland gewesen war, er war in Frankreich. Wir sind schnell sehr gute Freunde geworden und sind auch heute noch beste Freunde. Die Tatsache, dass wir damals beide gerade zwei Jahre im Ausland waren, hat uns irgendwie verbunden. Da konnten wir Erfahrungen miteinander teilen. Das war sehr gut und Leipzig ist eine schöne Stadt, das hat dann alles schon Spaß gemacht. Ich habe aber parallel auch immer den Kontakt nach Sankt Petersburg gehalten und ich habe dann auch angefangen Freiwilligentreffen in Deutschland zu organisieren. Wir haben dann jedes Jahr so ein Treffen gemacht, irgendwo in der Mitte von Deutschland in irgendeiner Burg oder Jugendherberge. Alle Freiwilligen sind dann da zusammenkommen. Also diese Zeit hat immer noch ein Platz in meinem Leben.

Wie lange arbeitest du schon bei dem deutschen Verein von Perspektiven?

Als ich zurückgekommen bin, bin ich in den deutschen Verein von den Perspektiven eingetreten und dann habe ich da einfach angefangen zu gucken, was ich da machen kann. Ja, und dann war ich seit 2004 Vorsitzender von den Perspektiven und dann habe ich den deutschen Verein immer mehr so ... Nun ja, der deutsche Verein war eher eine Gruppe von Leuten, die miteinander Margarete und das, was in Russland passiert ist, unterstützt haben. Aber der Verein hatte kein eigenes Leben, also waren es eigentlich nur Margarete und dann noch 3-4 Leute in Deutschland, die sich um die Spender gekümmert haben, die Dankeskarten geschrieben haben und so weiter. Ich hab dann versucht, ein bisschen mehr Leben in den Verein zu bringen. Also seit ich aus Russland zurück bin, versuche ich mich im deutschen Verein zu engagieren.

Was inspiriert dich an der Arbeit mit Freiwilligen?

Meine persönliche Erfahrung und auch die Erfahrung, dass dieser Freiwilligendienst eine sehr gute und sehr sinnvolle Sache ist. Der Freiwillige hilft Menschen, die diese Hilfe auch benötigen. Außerdem ist es auch für die Freiwilligen jeden Alters eine sehr schöne Erfahrung und es ist auch in der Sache, verschiedene Kulturen kennenzulernen. Dort wird dann wieder mehr Verständnis für einander geschaffen und deswegen hat der Freiwilligendienst so viele positive Aspekte. Ich finde das sehr unterstützenswert. Ich bin sehr froh, dass es das gibt und ich möchte unbedingt, dass das weiter existiert.


Am Text haben gearbeitet: Anastasia Smirnowa, Antonia Oster, Kasjanowa Tatjana,Boldyrewa Aljona, Laptew Iwan, Anna Tschernawskaja.
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